Führung beginnt im Nervensystem
Neurogespür

Führung ist so ein verstaubtes Wort geworden. Man könnte auch von Leadership und Self-Leadership sprechen. Beide sind essenziell, wenn wir unser Leben gestalten und Verantwortung übernehmen wollen. Hinter jeder Führungsperson steht eine oft vergessene, aber alles übersteuernde Kraft: das autonome Nervensystem.
Leadership ohne Nervensystem-Bewusstsein? Undenkbar!
Stell dir vor, du brauchst starke Nerven für eine wichtige unternehmerische Entscheidung, und du kollabierst innerlich, weil dich dein hinterer Vagusnerv lähmt. Oder du stehst vor deinem Team, willst unbedingt Ruhe ausstrahlen, aber deine Pupillen, der Schweiss auf deiner Stirn und deine hastigen Bewegungen verraten sofort, dass du alles andere als ruhig bist.
Oder du musst unter Druck eine wichtige Entscheidung treffen und spürst nicht, dass du sympathikoton mobilisiert bist und keinen Zugriff mehr auf den Teil deines Gehirns hast, der gute Entscheidungen ermöglicht. Genau hier setzt Nervensystem-Coaching für Führungskräfte an, ob in St.Gallen, Zürich oder online.
Im Kampf mit sich selbst
Unser autonomes Nervensystem ist eine Kraft, die ständig in uns wirkt. Sie kann uns voranbringen, uns flüchten lassen oder uns komplett lähmen. Wenn wir diese Kraft nicht kennen und verkörpern, sind wir im Kampf gegen uns selbst. Und auch wenn das viel gepriesene Mindset stark ist: Gegen das autonome Nervensystem kommen wir damit allein nicht an. Es steuert uns auf einer Tiefe, die wir erst mit unserem Verstand begreifen müssen.
Es reagiert in Millisekunden und bringt uns in Sicherheit, während unser Verstand wie eine Schnecke hinterherkriecht und fragt: Was ist denn jetzt passiert?
Leadership heisst Selbstverantwortung
Leadership bedeutet Verantwortung, für sich selbst und für andere Menschen. Ohne Verkörperung ist keine authentische Führung möglich. Wer die eigenen Impulse, Blockaden und Ängste weder spürt noch dafür Verantwortung übernimmt, wirkt spürbar unauthentisch und hat Mühe, das Vertrauen der Menschen um sich herum zu gewinnen.
Warum soll man einer Person vertrauen, die sich selbst und der ureigenen Kraft in sich nicht vertraut? Warum soll man sich von einer Führungsperson gehört fühlen, die sich selbst nicht einmal zuhört? Wie soll man gesunde Grenzen setzen, wenn man nicht spürt, wo diese Grenzen liegen und wie stark sie sind? Wer hier mehr über die eigene Körperwahrnehmung lernen möchte, findet Vertiefendes im Artikel zur Interozeption und Selbstwahrnehmung.
Paradigmenwechsel Polyvagal-Theorie
Die Polyvagal-Theorie bedeutet einen Paradigmenwechsel. Sie lässt uns erstmals tiefgreifend verstehen, wie unser autonomes Nervensystem im Sinne des Überlebens handelt und unser Verhalten in jeder einzelnen Sekunde prägt. Dieses Überleben hat zwei Aspekte: körperliche Sicherheit und Bindung.
Ist eines dieser beiden Dinge nicht gewährleistet, sorgt unser autonomes Nervensystem dafür, dass wir etwas tun. Oder dass wir aufgeben und darauf warten, aus unserer Ohnmacht erlöst zu werden. Für Führungskräfte heisst das: Auch Teams reagieren auf diese Signale, unbewusst und in Millisekunden.
Leadership heisst gesunde Präsenz
Menschen, die ihrem eigenen Körperbewusstsein nicht zuhören, werden auch dir nicht zuhören. Sie handeln in unbewusstem Misstrauen, rennen blind von A nach B, und es ist schwierig, ihnen zu vertrauen. Eine Führungsperson, die A sagt, aber B fühlt, löst Misstrauen aus. Wir spüren auf einer tiefen, unbewussten Ebene, dass wir hier gerade nicht sicher sind und unser Gegenüber nicht authentisch ist.
- Volle Präsenz ist nur in einem Zustand möglich, in dem unser vorderer, ventraler Vagus aktiv ist.
- Sobald er sich verabschiedet, sind wir mobilisiert oder gelähmt.
- Wir werden unaufmerksam, getrieben, vergessen Details, sind misstrauisch oder erstarrt.
- Wir führen uns und andere, aber ohne Vertrauen in uns selbst.
Leadership und Selbstführung leben von gesunder Präsenz, mit sich selbst und mit anderen Menschen. Das lässt sich trainieren, nicht über mehr Druck, sondern über Regulation.
Fazit
Führung beginnt im Nervensystem, nicht in der Position, dem Titel oder der Strategie. Wer die eigenen Schutzreaktionen kennt und reguliert, kann Vertrauen schaffen, klare Grenzen setzen und auch unter Druck präsent bleiben. Nervensystem-Coaching für Führungskräfte in St.Gallen, Zürich oder online setzt genau hier an: bei der verkörperten, echten Selbstführung, aus der glaubwürdige Führung anderer erst entstehen kann.

Gisèle Ladner
Nervensystem-Coach
Nächster Schritt
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