Wer bist du, wenn du dich endlich sicher fühlst?

Neurogespür

5 minVon Gisèle Ladner
Wer bist du, wenn du dich endlich sicher fühlst?

Wer bist du, wenn du nicht mehr Dinge tust, von denen du glaubst, sie tun zu müssen, damit du sicher und zugehörig bleibst? Die Polyvagal-Theorie erklärt, warum uns ein innerer Drang oft mehr steuert, als uns bewusst ist, und wie wir wieder mehr wir selbst werden können.

«Wir sind nicht unsere Ängste, unsere Zweifel oder unser Ego. Wir sind das bewusste Selbst, das wählen kann.» (Roberto Assagioli, Begründer der Psychosynthese)

Wer bist du, wenn du nicht die Dinge tust, von denen du glaubst, dass du sie tun musst, um sicher zu sein? Wer bist du, wenn dein innerer Antreiber dich nicht mehr in Bewegung hält, damit du sicher bleibst? Wer bist du, wenn du nicht mehr die Rolle erfüllst, von der du gelernt hast, sie sei deine Aufgabe?

Soziale Bindung = Sicherheit

Die Polyvagal-Theorie gibt uns ein neurowissenschaftliches Verständnis dafür, dass wir unbewusst in jeder Sekunde unseres Lebens nach Sicherheit streben. Etwas, das sich evolutionär als besonders förderlich für unsere Sicherheit erwiesen hat, ist soziale Bindung. Wie dein autonomes Nervensystem diese Suche steuert, beschreibe ich im Artikel zur inneren Security.

Wir tun viel, um sozial sicher zu sein

Wir sind, auch auf körperlicher Ebene, dafür gebaut, in sicherer Bindung zu leben. Um diese zu gewährleisten, tun wir unbewusst sehr viel: Rollen ausüben, von denen wir glauben, sie sichern unsere Zugehörigkeit. Aufgaben erfüllen, von denen wir unbewusst überzeugt sind, dass sie erledigt werden müssen, damit wir dazugehören.

Warum musst du das tun?

Eine Frage, die ich meinen Coaching-Klient:innen in St.Gallen, Zürich und online oft stelle, lautet: «Warum musst du das denn tun?» Oft erzählen sie mir, sie müssten etwas einfach tun. Das kleine, aber bedeutsame Wort «müssen» verrät, dass ein innerer Drang dahintersteckt. Dieser lässt sich häufig mit einer unbewussten Mobilisierung erklären, ausgelöst durch dein autonomes Nervensystem.

Besonders dann, wenn du Dinge tust, von denen du gedanklich eigentlich weisst, dass du sie nicht mehr tun willst oder dass sie dir sogar schaden können, lohnt es sich zu verstehen, dass mehr dahintersteckt als reiner Wille.

Warum tun wir, was wir tun (müssen)?

Meine Klient:innen sagen oft: «Eigentlich ist es so doof, dass ich das mache.» Wenn wir unser eigenes Verhalten nicht nachvollziehen können, beginnen wir häufig, negativ über uns selbst zu sprechen, und verlieren die Verbindung zu uns selbst.

Deshalb ist es so wichtig zu verstehen, warum wir tun, was wir tun. Die Polyvagal-Theorie zeigt: Wir tun viele Dinge, um unsere Zugehörigkeit und Sicherheit unbewusst zu sichern. Solche wiederkehrenden Muster sind auch Reaktionsmuster als Schutzmassnahmen, die einmal sinnvoll waren.

Weniger fremdbestimmt

Wenn du dich durch die Dinge durchgearbeitet hast, von denen du bisher dachtest, sie tun zu müssen, kommst du an einen Punkt, an dem du weniger fremdbestimmt bist. Du kannst mehr Dinge liegen lassen, die bisher zwanghaft erledigt werden mussten, und findest mehr Kapazität für Dinge, die du wirklich tun möchtest. Du wirst mehr zu dem Menschen, der du sein möchtest, und gestaltest aktiv dein Leben.

Oft tust du dann Dinge, die dir einfach Freude bereiten, oder Dinge, von denen du auf tiefster Ebene überzeugt bist. Vieles geschieht leiser, unsichtbarer, weil es niemand mehr sehen muss. Und du arbeitest nachhaltiger, weil du nicht ständig unterbrochen wirst von der Notwendigkeit, auf eine gefühlte Unsicherheit zu reagieren.

Leben statt überleben

In einem philosophisch-spirituellen Kontext könnte man sagen: Dein höheres, wahres Selbst übernimmt das Ruder, wenn du aus dem Überlebensmodus heraustrittst. Dort hast du Zeit und Energie, um aktiv zu gestalten, statt bestimmt zu sein von unbewussten Ängsten und Unsicherheiten.

Wer bist du, wenn du das tust, was dein reguliertes, ventral-vagales höheres Selbst sich wünscht, und weniger das, was dir dein Überlebensmodus sagt?

In meinem Nervensystem-Coaching in St.Gallen, Zürich oder online begleite ich dich dabei, diese unbewussten Muster zu erkennen und Schritt für Schritt mehr Wahlfreiheit zurückzugewinnen.

Fazit

Vieles, was sich wie ein «Muss» anfühlt, ist in Wahrheit der Versuch deines Nervensystems, soziale Sicherheit zu gewährleisten. Wenn du diese Mechanik verstehst, kannst du beginnen, bewusster zu unterscheiden zwischen dem, was dein Überlebensmodus dir vorschreibt, und dem, was du wirklich möchtest.

Gisèle Ladner, Nervensystem-Coach in St. Gallen

Gisèle Ladner

Nervensystem-Coach

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FAQ – häufig gestellte Fragen

+Warum fühlt es sich an, als müsste ich bestimmte Dinge tun?
Häufig steckt dahinter eine unbewusste Mobilisierung deines Nervensystems, die versucht, soziale Zugehörigkeit und Sicherheit zu sichern. Das «Müssen» ist oft kein bewusster Entschluss, sondern ein erlerntes Schutzmuster.
+Was hat die Polyvagal-Theorie mit meinem Verhalten zu tun?
Sie erklärt, dass dein autonomes Nervensystem ständig nach Sicherheit sucht und soziale Bindung dabei eine zentrale Rolle spielt. Viele automatische Verhaltensweisen lassen sich so besser verstehen.
+Wie werde ich weniger fremdbestimmt?
Indem du erkennst, welche Handlungen aus echtem Wunsch entstehen und welche aus unbewusster Sicherheitssuche. Nervensystem-Coaching hilft dabei, diese Muster sichtbar zu machen und neue Wahlmöglichkeiten zu entwickeln.
+Ist das ein spirituelles oder ein neurowissenschaftliches Konzept?
Beides lässt sich verbinden. Die neurowissenschaftliche Basis liefert die Polyvagal-Theorie, während Begriffe wie «höheres Selbst» eine anschauliche, alltagstaugliche Sprache für einen regulierten Zustand bieten.
+Ist Nervensystem-Coaching eine Therapie?
Nein. Coaching unterstützt Selbstwahrnehmung, Regulation und persönliche Entwicklung, ersetzt aber keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung und stellt keine Diagnosen.